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Manga-Verbot in Tokio?

20 Dez

In den letzten Tagen kursierte im Internet eine Meldung, auf die man am liebsten so reagieren wollte wie die Kollegen auf dem Bild oben. Von einem Verbot diverser Mangas im Raum Tokio war die Rede. Und auch ich habe mich mal etwas mit dem Thema auseinandergesetzt.

Erstmal eine etwas längere Newsmeldung, die ich im Cil-Forum gefunden habe:

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Tokyos Manga Verbot wurde jetzt rechtsgültig unterzeichnet, nachdem es die letzte Abstimmung in der Vollversammlung passiert hat. Es wird Mitte 2011 in Kraft treten – während Tokyos Gouverneur Ishihara frohlockt, dass „Japan ja doch noch etwas gesunden Menschenverstand besitzt!“.

Das Verbot hat bereits die Abstimmung im Komitee passiert und hat nun wie erwartet die endgültige Abstimmung in der Vollversammlung am 15.12.2010 passiert. Das Gesetz legt fest, dass ab April 2011 „freiwillige Zurückhaltung“ geübt werden soll, bis es dann im Juli vollständig in Kraft tritt.

Alle großen Parteien unterstützten das Verbot – die regierende DPJ (linksgerichtet) bestand dabei auf einen Paragrafen zur „vernünftigen Anwendung“, aber sonst hat sie nichts getan, das Gesetz abzulehnen, wie sie es mit dem vorherigen Gesetzesentwurf gehandhabt haben.

Die LDP (rechtsextrem) schlug die Originalfassung vor und unterstützte sowohl diese als auch die jetzige Fassung. Ihre üblichen Koalitionspartner, die Koumeito (der politische Arm eines Buddhistischen Kultes) unterstützten den Gesetzentwurf ebenfalls, sodass nur kleine Parteien links von der DPJ übrig blieben, um es abzulehnen.

Und wieder einmal kann man über die Motive der DPJ nur mutmaßen – sie haben wiederholt nationale Verbote auf den Besitz von Kinderpornografie (die Verteilung ist bereits illegal) auf Bürgerrecht-Ebene abgeblockt, haben die ursprüngliche Fassung abgelehnt weil der Entwurf „Virtuelle Kinderpornografie“ verbot und bestanden ernsthaft darauf, dass aus der jetzt verabschiedeten Fassung der Passus „Man darf nicht im Besitz von [realer] Kinderpornografie sein“ entfernt wird.

Die jetzige Wortwahl wurde abgeändert, sodass Darstellungen, die „illegale oder unmoralische sexuelle Aktivitäten fördern“ (im Prinzip ein Freibrief, der noch viel weitreichender ist als zuvor) verboten werden. Ursprünglich ging es um „[virtuelle] sexuelle Aktivitäten mit Minderjährigen“ (diese Version des Verbots zielte eindeutig auf Loli Manga ab). Damit ist der Widerstand der Opposition vollständig verpufft.

Dass das Gesetz fotografisches Material explizit ausklammert, kann durchaus so verstanden werden, dass das Gesetz eine spezifische Attacke auf die „Otaku“ Kultur und eine Bemühung ist, den Japanischen Massenmedien nicht entgegenzuwirken. Diese würden selbstverständlich keinerlei Beschränkungen bei sich zulassen, aber nur zu gerne in anderen Industriezweigen sehen.

Die 10 Verlage, die die Tokyo Anime Fair boykottieren, sind stocksauer auf ihre maßgeschneiderte Behandlung ihrer Industrie durch Ishihara und seine Kumpanen:
„Der vorherige Gesetzesentwurf wurde durch eine starke Opposition abgelehnt, und wir sind äußerst empört, dass der Entwurf innerhalb so kurzer Zeit erneut auf den Tisch kommt.“

Kadokawas CEO hat geschworen, dass der Widerstand weitergeht. Was allerdings Verlage jedoch genau unternehmen können ist unklar, insbesondere im Licht ihrer offensichtlichen Ungeschicklichkeit, mit Politikern umzugehen.

Ishihara für seinen Teil erfreut sich richtig an der Niederlage der Industrie:
„Es war an der Zeit, dieses Gesetz zu verabschieden – Japan besitzt ja doch noch etwas gesunden Menschenverstand!“

In Interviews lachte er nur über den Boykott der Industrie:
„Wenn sie sich darüber empören, sollen sie halt nicht kommen. Sie kommen nächstes Jahr sowieso wieder.“

Der ehemalige Shoujo Mangaka Machiko Satonaka spricht von einem großen Verrat durch die Politiker:
„Es gab Repräsentanten, die uns versprochen haben, dass sie ‚den Gesetzesentwurf nicht erneut einreichen werden, ohne vorher mit Manga und Anime Produzenten zu sprechen‘, aber sie haben ihn trotzdem eingereicht. Ich denke, wir wurden ausgetrickst. Es gibt viele Probleme mit der Anordnung, insbesondere mit dem Passus ‚[sexuelle Aktivitäten] ungeeignet zu fördern oder zu verherrlichen‘, und das können und wollen wir so nicht akzeptieren.

Ich mache mir besonders Sorgen um junge Mangaka – Ich hoffe, sie werden durchhalten, ohne dass dieser Industriezweig zusammenbricht.“

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Okay, das erstmal dazu. „Darstellungen, die  illegale oder unmoralische sexuelle Aktivitäten fördern“ sollen also verboten werden. Erstmal auf freiwilliger Basis, aber ab Juli dann verbindlich. Nun stellt sich mir die Frage, was darf man unter solchen Darstellungen verstehen? Was ist moralisch und was unmoralisch? Das dürfte doch wohl jeder anders sehen, aber gefährdet wären wohl vor allem Mangas und Animes aus den Genres Ecchi, BL und Romance. Harem-Storys könnten z.B. als unmoralisch gesehen werden weil der männliche Protagonist mit mehreren Frauen eine Beziehung hat. Hanamaru Kindergarten ebenfalls, weil es um „Liebe“ zwischen Kindern und Erwachsenen ging. BL könnte sowieso betroffen sein. Und Loli-Animes sowieso. Wie man sieht dürfte das einen Großteil der aktuellen Animes betreffen. Und das wirkliche Problem, die reale Kinderpornografie, bleibt mal wieder unberührt.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch folgende Meldung auf AnimeNewsNetwork:
http://www.animenewsnetwork.com/interest/2010-12-16/tokyo-governor-novels-inspire-dojin-protest-event

Tokios Gouverneur Shintaro Ishihara, der sich am meisten für die Einführung des neuen Gesetzes eingesetzt hat, hat vor seiner politischen Karriere Romane geschrieben. Und zwar solche, in denen es vor allem um sexuelle Inhalte und Gewalt ging. Würden diese Romane eine Anime- oder Manga-Adaption bekommen, wären sie dank dem neuen Gesetz verboten. Die Bücher selbst kann jeder (auch Minderjährige) in Tokios Buchläden dagegen völlig frei kaufen. Ebenfalls im CiL-Forum wurden die Inhalte von einigen seiner Bücher gepostet. Wen es interessiert, sollte bitte selber danach googeln, hierher kopieren möchte ich das nicht.

Auf einer Pressekonferenz hat dieser Herr noch einige seltsame Dinge verkündet. Seiner Meinung nach ist die DNA von „Perversen“ defekt, weswegen sie abnormal sind. Und mit den Perversen meinte er wohl alle die gegen das Verbot sind. Weiterhin hält er auch Homosexuelle für „genetisch defekt“ und „bemitleidenswert“. Loli-Mangas „verursachen nur Schaden ohne Nutzen“, die klassische Novelle „Lolita“ (in der es um nichts anderes geht als die Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem minderjährigen Mädchen) findet er dagegen schön. Darauf hingewiesen, dass er in einem seiner früheren Bücher behauptet hatte, dass  „Literatur aller Art Kinder nicht dazu verleitet, Verbrechen zu begehen oder in die Jugendkriminalität ab zu gleiten“, antwortete er bloß, er habe sich geirrt.

Tja, mein Fazit dazu: Anstatt etwas gegen den realen Missbrauch und Kinderpornografie zu tun, hat man in der Anime- und Manga-Industrie einen Sündenbock gefunden. Mangas sollen (normale, geistig gesunde) Menschen dazu anregen, sexuelle Straftaten zu begehen. Aha. Ich halte das Gesetz für bloßen Aktionismus und eine Maßnahme, um denen von Ishihara verhassten Otakus eins auszuwischen. Meine Hoffnung ist nun, dass unsere hiesigen Politiker am besten nichts davon mitkriegen. Ansonsten fängt vielleicht nach den Killerspielern bald die Hexenjagd auf Anime- und Manga-Fans an.

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3 Kommentare

Verfasst von - 20. Dezember 2010 in AniManga-News, Anime und Manga

 

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3 Antworten zu “Manga-Verbot in Tokio?

  1. Stalkzilla

    21. Dezember 2010 at 07:24

    KRASS !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! *sprachlos*

    *meinen besten Freund anrufen muss* x.x

     
  2. yblack

    14. Februar 2011 at 11:19

    Wass da los ich finde dass mann die Manga und Anime Kultur in frieden lassen sollte ist aber immer dass selbe die Kinderschänder kommen wieder da von ne Wass ist Bloß mit der Welt los

     
  3. Thread

    7. März 2011 at 21:31

    So, ich denke jetzt werde ich einmal etwas über die gesamten Foreneinträge sagen… Also erstmal, woher kommen denn die gesamten „Infos“ (Quellenangaben fehlen)!! Wenn ihr nichts konkretes habt, warum verfasst ihr immer wieder iwelche Foreneinträge, die nicht einmal richtig belegt sind.
    So, nun zu dem Beitrag hier: Richtig ist, dass man unmoralisch in verschiedenen Zügen sehen kann. Allerdings ist die Frage, wenn dies wirklich so sein sollte, dass Ecchis rausfallen sollten, dann kann man fast 50% der Mangas vom Markt nehmen. Damit würde sich Japan ja selbst ins eigene Fleisch schneiden. Ein wichtiger wirtschaftlicher Teil geht sozusagen den Bach runter! Ich denke nicht, dass eine Regierung so etwas macht. Des weiteren gehören Mangas und Animes zur japanischen Kultur. Es wäre ja fast so, wie wenn auf einmal ein Verbot für Bier in Deutschland ausgesprochen würde.
    Ich könnte mir vorstellen, dass die höchstens meinen, dass richtig heftige pornografische Darstellungen gemeint sind, aber NICHT allgemein fast alle Mangas!!
    Eine Bitte noch: Bei solchen Threads bitte genaue Quellenangaben machen, da ansonsten ein unseriöser Bericht entsteht.
    Danke

     

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